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Ausbau der Dorfstraße Leustetten

 

Inhalt des vorliegenden Erläuterungsberichts ist die dringend notwendige Sanierung der Dorfstraße mit ihren Nebenflächen in Leustetten, Ortsteil der Gemeinde Frickingen. Im Zuge der nicht mehr aufschiebbaren Sanierung der Trinkwasserleitung und der Neuverlegung von Versorgungsleitungen im Bereich der Dorfstraße soll die Gestaltung und Sanierung des Straßenraums mit einbezogen werden. Der Sanierungsbereich erstreckt sich von der L201 (Umgehungsstraße) bis zur L201 auf rund 430 Metern Länge (wie im Lageplan ersichtlich). Die Dorfstraße diente früher als Durchgangsstraße bis zum Bau der Umgehungstraße. Heute ist sie eine Erschließungsstraße im Kerngebiet des Ortes mit historischen, Ortsbild prägenden Gebäuden, dem Gerberhaus und der Lohmühle. Die Lohmühle beherbergt bzw. ist eines der drei Museen der Gemeinde Frickingen. Die Straße ist somit wichtig für den Gesamteindruck, den Gäste, Einwohner und z.B. auch Besucher des Museums gewinnen, denn die Führungen beginnen beim Gerberhaus und enden an der Lohmühle.

 

Die Gestaltung konzentriert sich auf die Aufwertung des Kerngebiets.

 

 

Die Konzeptidee des Kerngebietes ist es, zwischen Gerberhaus (am Dorfplatz) und Lohmühle den Straßenraum vollständig aufzuwerten und mit der Neugestaltung eine Verbindung zu schaffen.

 

Im Rahmen der Analyse wurden die Fassadenfarben und die Materialien genauer betrachtet. Hier zeigt sich bereits heute ein sehr homogenes und harmonisches Bild, das auch in der Neugestaltung erhalten bleiben wird, um das Gesamtbild mit passenden Farbtönen zu stärken. Die Farbtöne der Leibung, Füllflächen und Fassaden passen zueinander und gleichzeitig auch zu den Gerberfarben Grün, das für das Eichenblatt steht und Orange, das die Farbe des Leders symbolisiert.

 

Neben der Farbgestaltung spielt natürlich die Dimensionierung und somit Breite der Fahrbahn eine wichtige Rolle der Aufwertung und Neugestaltung. Derzeit ist die Fahrbahnreite der Dorfstraße stark unterschiedlich und reicht von 4,5 Metern bis zu 6 Metern. Im Kerngebiet selbst ist die Straße 6 Meter so breit, wie bei einer Ortsdurchfahrtsstraße (z.B. die neu sanierte L200 durch Altheim).

 

Auch der Gehweg schwank in seiner Breite, und zwar zwischen 1,2 und 1,5 Metern. An manchen Engstellen ist er mit einem Meter sehr schmal. Der schlechte Zustand und die Enge des Gehwegs führen dazu, dass Fußgänger auf den Fahrbahnbereich ausweichen.

 

GEMEINSAM ENTWICKELTER VORSCHLAG

Mit den Bürgern, dem Ortschaftsrat von Leustetten und der Verwaltung der Gemeinde Frickingen wurde letztlich ein gemeinsamer Vorschlag entwickelt. In den letzten Sitzungen wurden verschiedenste Bausteine bzgl. Gestaltungsmöglichkeiten vorgestellt. Zur Sprache kamen hierbei Begrünung (Straßenbäume usw.), Straßenverengungen, aber auch mögliche Materialien für Fahrbahn und Gehwegbereich. Die Seitenbereiche sollen dem neuen Vorschlag nach um bis zu einen Meter verbreitert werden, sodass gleichzeitig die Fahrbahn schmaler wird. Naheliegend ist dies, da der Gehweg an einigen Stellen zu eng ist, die Fußgänger somit sicherer am Straßenverkehr teilnehmen können und die Fahrgeschwindigkeit reduziert wird. Nach den aktuellen Richtlinien für die Anlage von Straßen (RAS 06) genügt es, Erschließungsstraßen mit 4,5 – 5,5 Metern Breite zu planen und nur Hauptstraßen benötigen 6,0 – 6,5 Meter. Als Dorfstraßen und nicht als Ortsdurchfahrt (früher) wird sie somit im passenden Ausmaß realisiert.

 

Dennoch können jederzeit zwei Autos problemlos aneinander vorbeifahren, bei Schwerlastverkehr oder großen Traktoren wird ein Abbremsen und im schlimmsten Fall Ausweichen auf den Seitenbereich notwendig. Die Anzahl dieser Begegnungen ist jedoch als äußerst gering einzuschätzen. Eine Überfahrung des Seitenbereichs ist möglich, denn der Granitbordstein (1 m Länge) wird mit einem 3 cm hohen Anschlag verlegt und abgefasst. Eine gestockte Granit-Rinnenplatte, die im Fahrbahnbereich an der Bordsteininnenkante liegt dient einerseits als optische Fahrbahnverengung, andererseits ist sie eine wasserführende Rinne. Der eingesetzte Stein ist einen Meter lang und 30 cm breit und bindet somit den Längsrecord der Straßeneinläufe ideal ein. Die Platten werden gestoßen verlegt, sodass keine teuren und wartungsintensiven Mörtelfugen entstehen. Es wird insgesamt drei verkehrsberuhigende Maßnahmen geben. Am Dorfplatz wird eine flächige Pflasterung den Dorfplatz über die Straße mit den neugestalteten Seitenraum verbinden.

 

Der gestärkte Seitenraum bringt auch Gerberhaus und Lohmühle einander räumlich näher. An der Einmündungstrompete des Badwegs und vor der Lohmühle weitet sich der Seitenraum über die Fahrbahn und lässt einen großzügigen Platz entstehen. Für die Lohmühle selbst ergibt sich die Möglichkeit, einen behindertengerechten Abgang zum Museum zu gestalten. Die Aufpflasterung erfolgt mit großformatigem Betonpflaster mit scharfer Kante und fein-rauer Oberfläche, sodass das gesamte Erscheinungsbild aufgewertet und die Bodenversiegelung reduziert wird. Die schmalen Fugen werden mit stabilem, widerstandsfähigem Material gefüllt (Splitt-Sand-Gemisch). Die Pflasterung wird in ihrer Hauptrichtung im 45°-Winkel zur Fahrtrichtung angeordnet, denn dies führt zu einer besseren Lastenverteilung beim Überfahren, da die Kontaktfläche des Reifens auf mehrere Steine verteilt wird. Ein vertikaler Versatz zwischen Aufpflasterung und angrenzendem Belag wird vermieden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die richtige Steinauswahl und Bauweise die befürchtete Erhöhung der Lärmemission verhindern. Die flächige und räumlich gliedernde Gestaltung der Aufpflasterung führt außerdem zu einer stärkeren Geschwindigkeitsreduktion als es schmale Pflasterstreifen möglich machen. Die schräg verlaufende Einfassung verhindert ein lautes Impulsgeräusch. Beim Dorfplatz stellt die neue Gestaltung aus Lärmschutz-Sicht eine deutliche Verbesserung dar gegenüber dem bestehenden Granitkleinsteinpflaster. Als dritte verkehrsberuhigende Maßnahme erfolgt eine einseitige Fahrbahnverengung, etwa in der Mitte zwischen den beiden Pflasterflächen. Eine aktuelle Studie vom 2013 zeigt auch, dass zwischen den einzelnen verkehrsberuhigenden Maßnahmen nicht mehr als 60 bis 90 Meter liegen sollten, sodass eine starke Beschleunigung dazwischen vermieden wird. Die Fahrdynamik bzw. das gleichmäßige Fließen des Verkehrs ist ein bedeutender Punkt im Bereich der Lärmemission. Die einseitige Fahrbahnverengung auf der gegenüberliegenden Seite des Seitenraums führt dazu, dass Fahrzeuge von Nord mit Fahrtrichtung Süden ihre Geschwindigkeit reduzieren. Die einzelnen Bausteine des gemeinsamen Entwurfs sind also zusammengefasst: eine Verbreiterung des Seitenraums, die Verwendung flächiger Aufpflasterungen im Fahrbahnbereich und die einseitige Verkehrsverengung mit Begrünung.

 

 

 

 

 

Entwurf