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Umbau des Freibads von Oberderdingen-Flehingen in ein Freibad mit vollbiologischer Wasseraufbereitung



Die Anlage ist zweigeteilt und besteht aus einem Schwimmerbereich, dem so genannten Nutzungsbereich (zzgl. Kleinkinderbereich), und einem Reinigungsbereich, dem sogenannten Aufbereitungsbereich. Der Nutzungsbereich wird in einen Schwimmerbereich und einen Nicht-Schwimmer-Bereich sowie einen Erlebnisbereich unterteilt. Zur Reinhaltung der Wasseroberfläche im Nutzungsbereich werden Überlaufrinnen und ein Vorfilter mit Überlaufwehr geschaffen. Diese dienen der Entfernung von schwimmender Biomasse wie Blütenstaub und Laubfall. Das überlaufende Wasser fließt über Sammelleitungen im freien Gefälle in den Technikraum und wird dort druckseitig in den Aufbereitungsbereich gefördert. Der Aufbereitungsbereich im nord-östlichen Geländeteil, mit einer Gesamttiefe von ca. 2,00 m wird mit verschiedenen Kiesen und Substraten in unterschiedlichen Körnungen in einer Stärke von ca. 1,00 m verfüllt. Die Verteilung des einströmenden Teichwassers sowie der Abzug des gereinigten Teichwassers erfolgt mit Druck-u. Drainageleitungen, die auf der Sohle des Aufbereitungsbereiches nach hydraulischen Vorgaben verlegt werden. Der Aufbereitungsbereich ist außerdem mit einem ausgewählten Sortiment heimischer Sumpf- u. Wasserpflanzen bepflanzt. Vom Aufbereitungsbereich wird das biologisch gereinigte Wasser über eine Freispiegelleitung den Schwallbehälter und über den Technikkeller in die Nutzungsbereiche gepumpt und tritt dort, über mehrere Einströmstellen bis max. 0,50 m unter der Wasseroberfläche, aus.

 

 

Die Gestaltung und Raumaufteilung spannt sich vom Gebäude aus auf. Zentral liegt der Schwimmerbereich, der von beiden Seiten umschlossen wird. Die Linienführung der Erweiterung erstreckt sich konvex zum Gebäude und konkav zum Bach hin. Die Erweiterung im Süden umfasst den Nichtschwimmerbereich und das Kinderplanschbecken und im Norden den erhöhten Erlebnisbereich. Der Nichtschwimmer-Bereich wird mit einer kleinen Rutsche und der Kleinkinderbereich mit Wassersprudlern gestaltet. Das zentrale, bestehende Becken öffnet sich im westlichen Bereich, im Süden und Norden sind alle Nutzungsbereiche miteinander verbunden. Die Wasserflächen sind von drei Seiten erreichbar, nur am gebogenen Westrand zum Bach hin gibt es keinen Zugang.

 

 

Das bestehende Becken wird um etwa 1,2m erhöht und der ehemalige Beckenrand wird zur Auftrittsberme, mit Ausnahme des Westrands; dieser steht 1cm unter dem neuen Wasserspiegel und dient als Anschlag für die 30-Meter-Bahn. Der neue, gebogene Beckenrand ist im Bereich des zentralen Schwimmerbeckens als "infinity edge" ausgebildet: man hat das Gefühl, die Wasserfläche ginge direkt ins Grüne über. Eine Aufschüttung bzw. Erhöhung des Geländes am Becken, ist aus verschiedenen Gründen der Konstruktion vorteilhaft und notwendig (Auftrittsberme, Grundwasserspiegel usw.).

 

 

Aus bautechnischer Sicht ist eine Auffüllungshöhe am Becken von etwa 1,2m ideal, um die Bausubstanz des bestehenden Beckens nutzen zu können. Durch ein Zurücksetzen der neuen Beckenumrandung um 20cm wird der bestehende Beckenrand zur neuen Auftrittsberme. Das Umgebungsgefälle führt vom Becken weg, sodass kein Eintrag von Oberflächenwasser besteht. Es werden kaum Leitungsgräben notwendig, da die Leitungen angeschüttet werden. Es soll nicht auf der gesamten Fläche aufgeschüttet werden, sondern nur eine Bogenform ums Becken wird erhöht, die dann in mehreren Rasenböschungen in Richtung Kraich abgefangen wird. Dabei wird auf einer Fläche von ca. 7.000m² ca. 3.500m³ verdichtungsfähiges Erdmaterial aufgeschüttet. Am Beckenrand wird das Gelände auf 1,2m angeschüttet und läuft in Richtung Gebäude (Nord-Ost) in den natürlichen Hang hin aus. Dabei werden die Bestandsbäume mit einer Kreis-runden Mulde ausgespart, damit diese keinen zusätzlichen Wurzeldruck erleiden müssen. Gleichzeitig dienen diese Vertiefungen als attraktive Sitzmulden und bieten in der Liegewiese geschützte Bereiche. Eine Aufschüttung in der Nähe von Biotopflächen vermieden. Darüber hinaus ergibt sich als weiterer Vorteil die Untergliederung der Gesamtfläche in Teilbereiche, was die aufspannende Formsprache unterstützt. Der Höhenunterschied wird außerdem spielerisch genutzt, mit Sitzstufen beim Volleyballfeld, einem Rutschenhang etc.

 

 

Technisch vorteilhaft ist, dass keine Anpassung von Schächten und Verteilerkasten notwendig wird, da sich diese im Südwesten befinden und somit nicht betroffen sind. Es bestehen bei diesem Lösungsansatz auch weiterhin Überschwemmungsflächen, so dient diese Maßnahme zusätzlich dem Schutz vor Hochwasser (s. Überschwemmungsfläche vom 01.06.2013). Das bestehende veraltete Technikgebäude (24m²) wird abgebrochen und durch ein neues Bauwerk ersetzt, das Technik und verschiedene Attraktionen (Sprungbereich, Liegestufen, Relaxbereich) vereint. Das Gebäude bietet Absprungpodeste auf 0,5m, 1,0m und 1,5m Höhe und optional auch Kletterseile an der nordwestlichen Seite. Aufenthaltsfläche ergibt sich auf einer Betonplatte, die sich aus dem Boden "schiebt" und auf dieser "Scholle" Sitz- und Liegestufen aus Holz bietet. Passend zur Proportion überragt diese Scholle den Grundkörper, besonders weit im Norden. Es gibt sonnige und schattige Bereiche: Das großzügigen Holzdeck ist in Richtung Süden zur Sonne ausgerichtet und bietet einen schönen Überblick. Außerdem wärmt es sich früh auf. Schattig und kühler bleibt es dagegen unter der Schräge der Betonscholle, an die Hängesesel und-matten angebracht sind. Eine Besonderheit ist das spannende Höhenspiel um den Erlebnisbereich, denn die Wasserfläche liegt +0,5 höher als die sonstige Beckenumgebung und der Zugang ins Sprunggebäude um 1m tiefer.