Gemeinde Ühlingen - Innere Entwicklung Ühlingen 2016
Analyse
In einer Grobanalyse sollen Potentiale und Handlungsfelder/Schwäche aufgezeigt werden. Einerseits an Hand der Substanz des Bestandes und andererseits an den räumlichen Zusammenhängen/ dem Zusammenspiel der einzelnen Interessen und Funktionen der Ortschaft Ühlingen. Die Analyse der Materialien und Farben z.B. von Fassaden sowie im öffentlichen Raum soll eingesetzt werden, um ein harmonisches und identitätsstiftendes Bild zu erzeugen. Im Lichtkonzept beispielsweise lassen sich weitere typische Merkmale mit einfachen Mittel noch weiter herausarbeiten, da das Nachtbild die Ergänzung zum Tagbild ist.
Wichtige und weitere Erkenntnisse werden aus der Strukturanalyse nicht nur vor Ort, sondern auch von der Umgebung gewonnen, um ein besseres Gesamtbild zu bekommen, sich Lösungen zu nähern und Planungsansätze abzuleiten. Bei der Strukturanalyse werden die einzelnen Schichten der Informationseben getrennt voneinander betrachtet: Höhenlinien der Topografie, die Bebauungsstruktur im Schwarzplan, Gewässer, das Straßennetz, land- und forstwirtschaftliche Flächen usw. All diese Faktoren machen im Zusammenspiel den ortstypischen Charakter aus, auf die die weitere Planung eingeht und besondere Merkmale verstärkt.
Förderung/Kostenaufteilung
Die Innere Entwicklung Ühlingen 2016 soll durch das Programm "Förderung städtebaulicher Erneuerungs- und Entwicklungsmaßnahmen" mit Verwaltungsvorschrift vom 23 November 2006 finanziell unterstützt werden. Für die Anlieger ist eine Privatförderung bis zu 30% möglich, um einen Anreiz zu schaffen, das Vorhaben gemeinsam zu verwirklichen.
Konzept
In der Gemeinde Ühlingen soll das Zentrum, der Kernbereich aufgewertet werden. Hierzu gehört nicht nur das Gestalten des öffentlichen Raums, sondern auch das Einbinden der Gebäude und Grundstücke der Anwohner. Erst die Menschen, die dort leben, verleihen dem öffentlichen Raum seine Identität. Wenn man den öffentlichen Raum beleben will, müssen sich die Anwohner wohl fühlen und in Akzeptieren, um ihn mit Leben zu füllen. Der frühzeitige Einbezug der Bürger ist unerlässlich für die weitere Entwicklung.
Resultat der Analyse sind Planungsvorschläge, die in Zusammenarbeit mit den Bürgern weiterentwickelt werden. Eine öffentliche Bürgerversammlung, Workshops mit den Interessensgemeinschaften unter Leitung unseres Büros leisten hierzu den wichtigsten Beitrag.
In der Gemeinde Ühlingen umfasst das Planungsgebiet wie bereits erwähnt öffentliche und private Flächen, von Feuerwehrhaus bis über den Kurpark hinaus. Insgesamt hat das Gebiet eine Größe von 7,7 ha. Zur inneren Entwicklung gehört für Ühlingen nicht nur die Aufwertung des Ortskerns, sondern auch der Hochwasserschutz (Regenwassermanagement).
Regenwassermanagement / Hochwasserschutz
Im Baugebiet Hub ist der erste Schritt, das Regenwasser wenn möglich zu sammeln und zu versickern oder verzögert abfließen zu lassen. Außerhalb der Siedlung, wo die Schlücht naturbelassen ist, werden weitere Bereiche zur Überflutung eingeräumt.
Die Verdolung des Mättlebach ist für den zukünftigen Hochwasserschutz zu gering. Die intakte 900er-Leitung durch eine 1300er-Leitung zu ersetzen ist eine Lösung. Eine weitere Lösung wäre einen anderen Umgang mit der Herausforderung, indem das Problem dort angegangen wird, wo es entsteht: Eine Verlagerung vor die Ortschaft ist dies in diesem Fall. Es wird nicht erst dann reagiert, wo das Problem groß ist, indem man die Wassermassen durch den Ort schleusen muss.
Vielmehr wird vorher versucht den Wasserabfluss zu drosseln und zu kontrollieren. Durch die Strukturanalyse konnten Erkenntnisse über das Einzugsgebiet, die topografischen Bedingungen und die landwirtschaftlichen Flächen mit hohem Abflussbeiwert gewonnen werden. Daraus ließ sich eine Lösung entwickeln, die eine Retentionsfläche außerhalb des Orts vorsieht, die etwa die Hälfte des Einzugsgebiets des Mättlebachs abfängt; von dort wird der Abfluss gedrosselt und verzögert. Eine Lösung ist demnach eine einfach gestaltete Bodenmodellierung mit Retentionswehr, die als Biotop kartiert werden kann und somit gleichzeitig Ökopunkte für die Gemeinde bringt, die bei einem anderen Eingriff als Ausgleich wieder benötigt werden. Mit diesem Weg kann die Verdolung mit einer 900er-Leitung bestehen bleiben und muss nicht kostenintensiv durch eine größere ersetzt werden. Darüber hinaus verhindert man, dass große Wassermassen bei einem Starkregenereignis Erosionsschäden beim Durchfluss durch die Ortschaft verursachen, wie es z.B. im Bereich des Austritts der Verdolung in die Schlücht der Fall ist. Die Retentionsfläche muss wenn nötig gepflegt werden, was insbesondere vom Materialtransport des Bachs abhängig ist.
Aufwertung des Ortskerns /Zentrums
Durch die Analyse zeigte sich, dass es an sich kein klassisches Zentrum gibt wie in Form eines Markt- oder Rathausplatzes als Ortskern, an dem sich die unterschiedlichsten Einrichtungen befinden und sich das Dorfleben abspielt. Es handelt sich eher um eine länglich entlang der Straße ausgerichtete Ansammlung von Gebäuden und Einrichtungen die das Zentrum ausmachen: vom Café über das Gasthaus, den EDEKA, das Rathaus bis zur Kirche.
Der öffentliche Raum muss stärker die einzelnen Gebäude miteinander verbinden. Sieht man die Hauptdurchgangsstraße und die Schlücht als zwei Linien, so treffen sich diese in Zentrumsnähe. Genau dieser Punkt birgt als verbindendes Element hohes Potential. Die Schlücht wird im Ortskernbereich geöffnet und zugänglich gemacht, während außerhalb Ausweichbereiche für das Wasser geschaffen werden. Die aus der Analyse deutlich gewordenen Waldbereiche nörd- und südlich Richtung Zentrum werden gestärt – als Kontrast agiert die Öffnung im Zentrum. Dennoch sollen die eher naturbelassenen Bereiche an kontrollierten Stellen mit einfachen Stegen zugänglich gemacht werden, um auch den natürlich gestalteten Bachlauf sichtbar zu machen. Flora und Fauna allerdings werden so wenig wie möglich „gestört“, genaues Ausweisen zu schützender Bereiche sind hierbei sinnvoller als strenge Verbotsschilder. Um die Schlücht offen und zugänglich zu gestalten, werden Bäume aufgeastet, z.T. auch entfernt, so wendet man sich bewusst über Zugänge dem Element Wasser zu und kann verweilen.

Im Straßenraum wirkt das Einfügen von Bäumen leitend und als Rahmen. Um den Bereich des Ortskerns besser ablesbar zu machen, können Kreuzungspunkte, die diesen Bereich markieren mit überfahrbaren Kreisverkehren zu gestalten. Erreicht man einen Kreisverkehr bzw. um-/überfährt ihn gelangt man also ins Zentrum. Die Form ist nicht nur praktisch, sondern auch aus den Kreisrundungen vor dem Rathausplatz abgeleitet und finden Wiederverwendung.


Eine Neuorganisation des Bus- und Anlieferverkehrs muss entwickelt werden, um einen reibungslosen Ablauf im Straßenverkehr zu garantieren. Weitaus wichtiger ist aber die Sicherheit im Straßenraum, der mit breiteren Gehwegen Rechnung getragen wird. Durch hinzukommende Bäume werden die Straßen optisch verengt und führt wie der Einsatz von Kreisverkehren zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit. Fußgänger- und radfahrerfreundliche Straßenräume werden stärker belebt.
Mit einer einheitlichen Pflasterung oder auch mit farbigem Asphalt wird ein verbindendes Element geschaffen, das sich durch den Ortskern zieht, im Straßenraum, an den Fußwegen der Schlücht entlang in den Kurpark bis zum neu geplanten Busbahnhof.

Die Gestaltungsform des öffentlichen Raumes könnte auch weiter aus der Formsprache des Kreises entstehen oder aus dem Kontrast der kleinteiligen Streifen und großen Flächen, abgeleitet aus der Umgebung mit Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
Weitere Ideen zur Umgestaltung werden gemeinsam mit den Bürgern entwickelt.
Entwurfslageplan


Flurstücke Wald

Keruzung Wasser Straße

Entwicklung Bild Nr.5

Entwicklung Bild Nr. 9







